Psalm 71

1Herr, ich traue auf dich,

lass mich nimmermehr zuschanden werden.

2Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir heraus,

neige deine Ohren zu mir und hilf mir!

3Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann,

der du zugesagt hast, mir zu helfen;

denn du bist mein Fels und meine Burg.

4Mein Gott, hilf mir aus der Hand des Gottlosen,

aus der Hand des Ungerechten und Tyrannen.

5Denn du bist meine Zuversicht, Herr, mein Gott,

meine Hoffnung von meiner Jugend an.

6Auf dich habe ich mich verlassen vom Mutterleib an;

du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen.

Dich rühme ich immerdar.

7Ich bin für viele wie ein Zeichen;

aber du bist meine starke Zuversicht.

8Lass meinen Mund deines Ruhmes

und deines Preises voll sein täglich.

9Verwirf mich nicht in meinem Alter,

verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.

10Denn meine Feinde reden über mich,

und die auf mich lauern, beraten sich miteinander

11und sprechen: Gott hat ihn verlassen;

jagt ihm nach und ergreift ihn, denn da ist kein Erretter!

12Gott, sei nicht ferne von mir;

mein Gott, eile, mir zu helfen!

13Schämen sollen sich und umkommen,

die mir feind sind;

mit Schimpf und Schande sollen überschüttet werden,

die mein Unglück suchen.

14Ich aber will immer harren

und mehren all deinen Ruhm.

15Mein Mund soll verkündigen deine Gerechtigkeit,

täglich deine Wohltaten, die ich nicht zählen kann.

16Ich gehe einher in der Kraft Gottes des Herrn;

ich preise deine Gerechtigkeit allein.

17Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt,

und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.

18Auch verlass mich nicht, Gott, im Alter,

wenn ich grau werde,

bis ich deine Macht verkündige Kindeskindern

und deine Kraft allen, die noch kommen sollen.

19Gott, deine Gerechtigkeit reicht bis zum Himmel;

der du große Dinge tust, Gott, wer ist dir gleich?

20Du lässest mich erfahren viel Angst und Not

und machst mich wieder lebendig

und holst mich wieder herauf

aus den Tiefen der Erde.

21Du machst mich sehr groß

und tröstest mich wieder.

22So will auch ich dir danken mit Saitenspiel

für deine Treue, mein Gott;

ich will dir zur Harfe lobsingen,

du Heiliger Israels.

23Meine Lippen und meine Seele, die du erlöst hast,

sollen fröhlich sein und dir lobsingen.

24Auch meine Zunge soll täglich reden

von deiner Gerechtigkeit;

denn zu Schmach und Schande werden,

die mein Unglück suchen.

 

Psalm 72

1Von Salomo.

Gott, gib dein Recht dem König

und deine Gerechtigkeit dem Königssohn,

2dass er dein Volk richte in Gerechtigkeit

und deine Elenden nach dem Recht.

3Lass die Berge Frieden bringen für das Volk

und die Hügel Gerechtigkeit.

4Er soll den Elenden im Volk Recht schaffen

und den Armen helfen und die Bedränger zermalmen.

5Er soll leben, solange die Sonne scheint

und solange der Mond währt, von Geschlecht zu Geschlecht.

6Er soll herabfahren wie der Regen auf die Aue,

wie die Tropfen, die das Land feuchten.

7Zu seinen Zeiten soll blühen die Gerechtigkeit

und großer Friede sein, bis der Mond nicht mehr ist.

8Er soll herrschen von einem Meer bis ans andere

und von dem Strom bis zu den Enden der Erde.

9Vor ihm sollen sich neigen die Söhne der Wüste,

und seine Feinde sollen Staub lecken.

10Die Könige von Tarsis und auf den Inseln

sollen Geschenke bringen,

die Könige aus Saba und Seba

sollen Gaben senden.

11Alle Könige sollen vor ihm niederfallen

und alle Völker ihm dienen.

12Denn er wird den Armen erretten, der um Hilfe schreit,

und den Elenden, der keinen Helfer hat.

13Er wird gnädig sein den Geringen und Armen,

und den Armen wird er helfen.

14Er wird sie aus Bedrückung und Frevel erlösen,

und ihr Blut ist wert geachtet vor ihm.

15Er soll leben, und man soll ihm geben

vom Gold aus Saba. Man soll immerdar für ihn beten und ihn täglich segnen.

16Voll stehe das Getreide im Land bis oben auf den Bergen;

wie am Libanon rausche seine Frucht.

In den Städten sollen sie grünen

wie das Gras auf Erden.

17Sein Name bleibe ewiglich;

solange die Sonne währt, blühe sein Name.

Und durch ihn sollen gesegnet sein alle Völker,

und sie werden ihn preisen.

18Gelobt sei Gott der Herr, der Gott Israels,

der allein Wunder tut!

19Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich,

und alle Lande sollen seiner Ehre voll werden!

Amen! Amen!

20Zu Ende sind die Gebete Davids, des Sohnes Isais.

 

Psalm 73

1Ein Psalm Asafs.

Gott ist dennoch Israels Trost

für alle, die reinen Herzens sind.

2Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen;

mein Tritt wäre beinahe geglitten.

3Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen,

da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging.

4Denn für sie gibt es keine Qualen,

gesund und feist ist ihr Leib.

5Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute

und werden nicht wie andere Menschen geplagt.

6Darum prangen sie in Hoffart

und hüllen sich in Frevel.

7Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst,

sie tun, was ihnen einfällt.

8Sie höhnen und reden böse,

sie reden und lästern hoch her.

9Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein;

was sie sagen, das soll gelten auf Erden.

10Darum läuft ihnen der Pöbel zu

und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen.

11Sie sprechen: Wie sollte Gott es wissen?

Wie sollte der Höchste etwas merken?

12Siehe, das sind die Frevler;

die sind glücklich für immer und werden reich.

13Soll es denn umsonst sein, dass ich mein Herz rein hielt

und meine Hände in Unschuld wasche?

14Ich bin täglich geplagt,

und meine Züchtigung ist alle Morgen da.

15Hätte ich gedacht: Ich will reden wie sie,

siehe, dann hätte ich das Geschlecht deiner Kinder verraten.

16So sann ich nach, ob ich’s begreifen könnte,

aber es war mir zu schwer,

17bis ich ging in das Heiligtum Gottes

und merkte auf ihr Ende.

18Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund

und stürzest sie zu Boden.

19Wie werden sie so plötzlich zunichte!

Sie gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken.

20Wie ein Traum verschmäht wird, wenn man erwacht,

so verschmähst du, Herr, ihr Bild, wenn du dich erhebst.

21Als es mir wehe tat im Herzen

und mich stach in meinen Nieren,

22da war ich ein Narr und wusste nichts,

ich war wie ein Tier vor dir.

23Dennoch bleibe ich stets an dir;

denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,

24du leitest mich nach deinem Rat

und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

25Wenn ich nur dich habe,

so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

26Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,

so bist du doch, Gott,

allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

27Denn siehe, die von dir weichen, werden umkommen;

du bringst um alle, die dir die Treue brechen.

28Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte

und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn,

dass ich verkündige all dein Tun.

 

 

Psalm 74

1Eine Unterweisung Asafs.

Gott, warum verstößest du uns für immer

und bist so zornig über die Schafe deiner Weide?

2Gedenke an deine Gemeinde,

die du vorzeiten erworben

und dir zum Erbteil erlöst hast,

an den Berg Zion, auf dem du wohnest.

3Richte doch deine Schritte zu dem,

was so lange wüste liegt.

Der Feind hat alles verheert im Heiligtum.

4Deine Widersacher brüllen in deinem Hause

und stellen ihre Banner auf als Zeichen des Sieges.

5Hoch sieht man Äxte sich heben

wie im Dickicht des Waldes.

6Sie zerschlagen all sein Schnitzwerk

mit Beilen und Hacken.

7Sie verbrennen dein Heiligtum,

bis auf den Grund entweihen sie die Wohnung deines Namens.

8Sie sprechen in ihrem Herzen:

Lasst uns sie allesamt unterdrücken!

Sie verbrennen alle Gotteshäuser im Lande.

9Unsere Zeichen sehen wir nicht,

kein Prophet ist mehr da,

und keiner ist bei uns, der wüsste, wie lange.

10Ach, Gott, wie lange soll der Widersacher schmähen

und der Feind deinen Namen immerfort lästern?

11Warum ziehst du deine Hand zurück?

Nimm deine Rechte aus dem Gewand und mach ein Ende!

12Gott ist ja mein König von alters her,

der alle Hilfe tut, die auf Erden geschieht.

13Du hast das Meer aufgewühlt durch deine Kraft,

zerschmettert die Köpfe der Drachen über den Wassern.

14Du hast die Köpfe des Leviatan zerschlagen

und ihn zum Fraß gegeben dem wilden Getier.

15Du hast Quellen und Bäche hervorbrechen lassen

und ließest starke Ströme versiegen.

16Dein ist der Tag, dein auch die Nacht;

du hast Gestirn und Sonne die Bahn gegeben.

17Du hast allem Land seine Grenze gesetzt;

Sommer und Winter hast du gemacht.

18So gedenke doch, dass der Feind den Herrn schmäht

und ein törichtes Volk deinen Namen lästert.

19Gib deine Taube nicht den Tieren preis;

das Leben deiner Elenden vergiss nicht für immer.

20Schau auf den Bund;

denn die dunklen Winkel des Landes sind Stätten voller Gewalt.

21Lass den Geringen nicht beschämt davongehen,

lass die Armen und Elenden rühmen deinen Namen.

22Mach dich auf, Gott, und führe deine Sache;

gedenke an die Schmach, die dir täglich

von den Toren widerfährt.

23Vergiss nicht das Geschrei deiner Feinde;

das Toben deiner Widersacher wird je länger, je größer.

 

Psalm 75

1Ein Psalm und Lied Asafs, vorzusingen, nach der Weise „Vertilge nicht“.

2Wir danken dir, Gott, wir danken dir

und verkündigen deine Wunder, dass

dein Name so nahe ist.

3“Wenn meine Zeit gekommen ist,

werde ich recht richten.

4Die Erde mag wanken und alle, die darauf wohnen,

aber ich halte ihre Säulen fest.“ SELA.

5Ich sprach zu den Ruhmredigen: Rühmt euch nicht so!,

und zu den Frevlern: Brüstet euch nicht mit Macht!

6Brüstet euch nicht so hoch mit eurer Macht,

redet nicht so halsstarrig!

7Denn es kommt nicht vom Aufgang und nicht vom Niedergang,

nicht von der Wüste und nicht von den Bergen,

8sondern Gott ist Richter,

der diesen erniedrigt und jenen erhöht.

9Denn der Herr hat einen Becher in der Hand,

mit starkem Wein voll eingeschenkt.

Er schenkt daraus ein,

und die Frevler auf Erden müssen alle trinken

und auch noch die Hefe schlürfen.

10Ich aber will verkündigen ewiglich

und lobsingen dem Gott Jakobs.

11Und ich will alle Gewalt der Frevler zerbrechen,

dass die Gewalt des Gerechten erhöht werde.

 

Psalm 76

1Ein Psalmlied Asafs, vorzusingen, beim Saitenspiel.

2Gott ist in Juda bekannt,

in Israel ist sein Name herrlich.

3So erstand in Salem sein Zelt

und seine Wohnung in Zion.

4Dort zerbricht er die Pfeile des Bogens,

Schild, Schwert und Streitmacht. SELA.

5Du bist herrlicher und mächtiger

als die ewigen Berge.

6Beraubt sind die Stolzen und in Schlaf gesunken,

und allen Kriegern versagen die Hände.

7Von deinem Schelten, Gott Jakobs,

sinken in Schlaf Ross und Wagen.

8Furchtbar bist du!

Wer kann vor dir bestehen, wenn du zürnest?

9Wenn du das Urteil lässest hören vom Himmel,

so erschrickt das Erdreich und wird still,

10wenn Gott sich aufmacht zu richten,

dass er helfe allen Elenden auf Erden. SELA.

11Wenn Menschen wider dich wüten,

bringt es dir Ehre;

und wenn sie noch mehr wüten,

bist du auch noch gerüstet.

12Tut Gelübde dem Herrn, eurem Gott, und haltet sie!

Alle, die ihr um ihn her seid, bringt Geschenke dem Furchtbaren,

13der den Fürsten den Mut nimmt

und furchtbar ist für die Könige auf Erden.

 

Psalm 77

1Ein Psalm Asafs, vorzusingen, für Jedutun.

2Ich rufe zu Gott und schreie um Hilfe,

zu Gott rufe ich, und er erhört mich.

3In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn;

meine Hand ist des Nachts ausgereckt und lässt nicht ab;

denn meine Seele will sich nicht trösten lassen.

4Ich denke an Gott – und bin betrübt;

ich sinne nach – und mein Geist verzagt. SELA.

5Meine Augen hältst du, dass sie wachen müssen;

ich bin so voll Unruhe, dass ich nicht reden kann.

6Ich gedenke der uralten Zeiten,

der längst vergangenen Jahre.

7Ich denke des Nachts an mein Saitenspiel

und rede mit meinem Herzen,

mein Geist muss forschen.

8Wird denn der Herr auf ewig verstoßen

und keine Gnade mehr erweisen?

9Ist’s denn ganz und gar aus mit seiner Güte,

und hat die Verheißung für immer ein Ende?

10Hat Gott vergessen, gnädig zu sein,

hat er sein Erbarmen im Zorn verschlossen? SELA.

11Ich sprach: Darunter leide ich,

dass die rechte Hand des Höchsten sich so ändern kann.

12Darum gedenke ich an die Taten des Herrn,

ja, ich gedenke an deine früheren Wunder

13und sinne über alle deine Werke

und denke deinen Taten nach.

14Gott, dein Weg ist heilig.

Wo ist ein so mächtiger Gott, wie du, Gott, bist?

15Du bist der Gott, der Wunder tut,

du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern.

16Du hast dein Volk erlöst mit starkem Arm,

die Kinder Jakobs und Josefs. SELA.

17Die Wasser sahen dich, Gott,

die Wasser sahen dich und ängstigten sich,

ja, die Tiefen tobten.

18Die dicken Wolken gossen Wasser,

die Wolken donnerten,

und deine Pfeile fuhren einher.

19Dein Donner rollte, Blitze erhellten den Erdkreis,

die Erde erbebte und wankte.

20Dein Weg ging durch das Meer

und dein Pfad durch große Wasser;

doch niemand sah deine Spur.

21Du führtest dein Volk wie eine Herde

durch die Hand von Mose und Aaron.

 

Psalm 78

1Eine Unterweisung Asafs.

Höre, mein Volk, meine Unterweisung,

neiget eure Ohren zu der Rede meines Mundes!

2Ich will meinen Mund auftun zu einem Spruch

und Geschichten verkünden aus alter Zeit.

3Was wir gehört haben und wissen

und unsre Väter uns erzählt haben,

4das wollen wir nicht verschweigen ihren Kindern;

wir verkündigen dem kommenden Geschlecht

den Ruhm des Herrn und seine Macht

und seine Wunder, die er getan hat.

5Er richtete ein Zeugnis auf in Jakob

und gab ein Gesetz in Israel

und gebot unsern Vätern,

es ihre Kinder zu lehren,

6auf dass es die Nachkommen lernten,

die Kinder, die noch geboren würden;

die sollten aufstehen

und es auch ihren Kindern verkündigen,

7dass sie setzten auf Gott ihre Hoffnung

und nicht vergäßen die Taten Gottes,

sondern seine Gebote hielten

8und nicht würden wie ihre Väter,

ein abtrünniges und ungehorsames Geschlecht,

dessen Herz nicht fest war

und dessen Geist sich nicht treu an Gott hielt,

9wie die Söhne Ephraim, wohl gerüstete Bogenschützen,

abfielen zur Zeit des Streits;

10sie hielten den Bund Gottes nicht

und wollten nicht in seinem Gesetz wandeln

11und vergaßen seine Taten und seine Wunder,

die er sie hatte sehen lassen.

12Vor ihren Vätern tat er Wunder

in Ägyptenland, im Gefilde von Zoan.

13Er zerteilte das Meer und führte sie hindurch

und ließ das Wasser stehen wie eine Mauer.

14Er leitete sie bei Tage mit einer Wolke

und die ganze Nacht mit einem hellen Feuer.

15Er spaltete die Felsen in der Wüste

und tränkte sie reichlich wie mit Fluten;

16er ließ Bäche aus den Felsen hervorbrechen

und Wasser hinabfließen wie Ströme.

17Dennoch sündigten sie weiter wider ihn

und empörten sich in der Wüste gegen den Höchsten;

18sie versuchten Gott in ihrem Herzen,

als sie Speise forderten für ihre Seelen,

19und redeten wider Gott und sprachen:

Kann Gott wohl einen Tisch bereiten in der Wüste?

20Siehe, er hat wohl den Felsen geschlagen,

dass Wasser strömten und Bäche sich ergossen;

kann er aber auch Brot geben

und seinem Volk Fleisch verschaffen?

21Da das der Herr hörte, entbrannte er im Grimm,

und Feuer brach aus in Jakob, und Zorn kam über Israel,

22weil sie nicht glaubten an Gott

und nicht hofften auf seine Hilfe.

23Und er gebot den Wolken droben

und tat auf die Türen des Himmels

24und ließ Manna auf sie regnen zur Speise

und gab ihnen Himmelsbrot.

25Brot der Engel aßen sie alle,

er sandte ihnen Speise in Fülle.

26Er ließ wehen den Ostwind unter dem Himmel

und erregte durch seine Stärke den Südwind

27und ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub

und Vögel wie Sand am Meer;

28mitten in sein Lager ließ er sie fallen,

rings um seine Wohnung her.

29Da aßen sie und wurden sehr satt;

und was sie verlangten, gewährte er ihnen.

30Sie hatten ihr Verlangen noch nicht gestillt,

ihre Speise war noch in ihrem Munde,

31da kam der Zorn Gottes über sie

und brachte ihre Vornehmsten um

und schlug nieder die Besten in Israel.

32Bei dem allen sündigten sie noch mehr

und glaubten nicht an seine Wunder.

33Darum ließ er ihre Tage dahinschwinden ins Nichts

und ihre Jahre in Schrecken.

34Wenn er den Tod unter sie brachte, suchten sie ihn

und fragten wieder nach Gott

35und dachten daran, dass Gott ihr Hort ist

und Gott, der Höchste, ihr Erlöser.

36Doch sie betrogen ihn mit ihrem Munde

und belogen ihn mit ihrer Zunge.

37Ihr Herz hing nicht fest an ihm,

und sie hielten nicht treu an seinem Bunde.

38Er aber war barmherzig und vergab die Schuld

und vertilgte sie nicht

und wandte oft seinen Zorn ab

und ließ nicht seinen ganzen Grimm an ihnen aus.

39Denn er dachte daran, dass sie Fleisch sind,

ein Hauch, der dahinfährt und nicht wiederkommt.

40Wie oft trotzten sie ihm in der Wüste

und betrübten ihn in der Einöde!

41Sie versuchten Gott immer wieder

und kränkten den Heiligen Israels.

42Sie dachten nicht an seine Hand,

an den Tag, da er sie erlöste von den Feinden,

43wie er seine Zeichen in Ägypten getan hatte

und seine Wunder im Lande Zoan.

44Er verwandelte ihre Ströme in Blut,

dass sie aus ihren Flüssen nicht trinken konnten.

45Er schickte Ungeziefer unter sie, das sie fraß,

und Frösche, die ihnen Verderben brachten,

46und gab ihr Gewächs den Raupen

und ihre Saat den Heuschrecken.

47Er schlug ihre Weinstöcke mit Hagel

und ihre Maulbeerbäume mit Schloßen.

48Er gab ihr Vieh dem Hagel preis

und ihre Herden dem Wetterstrahl.

49Er sandte die Glut seines Zorns unter sie,

Grimm und Wut und Drangsal, eine Schar Verderben bringender Engel.

50Er ließ seinem Zorn freien Lauf

und bewahrte ihre Seele nicht vor dem Tode

und gab ihr Leben der Pest preis.

51Er schlug alle Erstgeburt in Ägypten,

die Erstlinge ihrer Kraft in den Zelten Hams.

52Er ließ sein Volk ausziehen wie Schafe

und führte sie wie eine Herde in der Wüste;

53und er leitete sie sicher,

dass sie sich nicht fürchteten;

aber ihre Feinde bedeckte das Meer.

54Er brachte sie in sein heiliges Land,

zu dem Berg, den seine Rechte erworben hat,

55und vertrieb vor ihnen her die Völker

und verteilte ihr Land als Erbe

und ließ in ihren Zelten die Stämme Israels wohnen.

56Aber sie versuchten Gott und trotzten dem Höchsten

und hielten seine Gebote nicht;

57sie fielen ab und waren treulos wie ihre Väter

und versagten wie ein schlaffer Bogen;

58sie erzürnten ihn mit ihren Höhen

und reizten ihn zum Zorn mit ihren Götzen.

59Da Gott das hörte, entbrannte sein Grimm,

und er verwarf Israel ganz.

60Er gab seine Wohnung in Silo dahin,

das Zelt, in dem er unter Menschen wohnte.

61Er gab seine Macht in Gefangenschaft

und seine Herrlichkeit in die Hand des Feindes.

62Er übergab sein Volk dem Schwert

und ergrimmte über sein Erbe.

63Ihre junge Mannschaft fraß das Feuer,

und ihre Jungfrauen mussten ungefreit bleiben.

64Ihre Priester fielen durchs Schwert,

und die Witwen konnten die Toten nicht beweinen.

65Da erwachte der Herr wie aus dem Schlaf,

wie ein Starker, der vom Wein fröhlich ist,

66und schlug seine Feinde zurück

und hängte ihnen ewige Schande an.

67Er verwarf das Zelt Josefs

und erwählte nicht den Stamm Ephraim,

68sondern erwählte den Stamm Juda,

den Berg Zion, den er liebt.

69Er baute sein Heiligtum wie Himmelshöhen,

wie die Erde, die er gegründet hat für immer,

70und erwählte seinen Knecht David

und nahm ihn von den Schafhürden;

71von den säugenden Schafen holte er ihn,

dass er sein Volk Jakob weide und sein Erbe Israel.

72Und er weidete sie mit aller Treue

und leitete sie mit kluger Hand.

Psalm 79

1Ein Psalm Asafs.

Gott, es sind Heiden in dein Erbe eingefallen;

die haben deinen heiligen Tempel entweiht

und aus Jerusalem einen Steinhaufen gemacht.

2Sie haben die Leichname deiner Knechte

den Vögeln unter dem Himmel zu fressen gegeben

und das Fleisch deiner Heiligen den Tieren im Lande.

3Sie haben ihr Blut vergossen um Jerusalem her wie Wasser,

und da war niemand, der sie begrub.

4Wir sind bei unsern Nachbarn zur Schmach geworden,

zu Spott und Hohn bei denen, die um uns her sind.

5Wie lange, Herr, willst du immerfort zürnen?

Wie lange wird dein Eifer brennen wie Feuer?

6Schütte deinen Grimm auf die Völker, die dich nicht kennen,

und auf die Königreiche, die deinen Namen nicht anrufen.

7Denn sie haben Jakob gefressen

und seine Stätte verwüstet.

8Rechne uns die Schuld der Väter nicht an,

erbarme dich unser bald, denn wir sind sehr elend.

9Hilf du uns, Gott, unser Helfer,

um deines Namens Ehre willen!

Errette uns und vergib uns unsre Sünden

um deines Namens willen!

10Warum lässt du die Heiden sagen:

„Wo ist nun ihr Gott?“

Lass unter den Heiden vor unsern Augen kundwerden

die Vergeltung für das Blut deiner Knechte, das vergossen ist.

11Lass vor dich kommen das Seufzen der Gefangenen;

durch deinen starken Arm erhalte die Kinder des Todes

12und vergilt unsern Nachbarn siebenfach ihr Schmähen,

mit dem sie dich, Herr, geschmäht haben.

13Wir aber, dein Volk, die Schafe deiner Weide,

danken dir ewiglich und verkünden deinen Ruhm für und für.

 

Psalm 80

1Ein Zeugnis und Psalm Asafs, vorzusingen, nach der Weise „Lilien“.

2Du Hirte Israels, höre,

der du Josef hütest wie Schafe!

Erscheine, der du thronst über den Cherubim,

3vor Ephraim, Benjamin und Manasse!

Erwecke deine Kraft und komm uns zu Hilfe!

4Gott, tröste uns wieder

und lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen.

5Herr, Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen

beim Gebet deines Volkes?

6Du speisest sie mit Tränenbrot

und tränkest sie mit einem großen Krug voll Tränen.

7Du lässest unsre Nachbarn sich um uns streiten,

und unsre Feinde verspotten uns.

8Gott Zebaoth, tröste uns wieder

und lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen.

9Du hast einen Weinstock aus Ägypten geholt,

hast vertrieben die Völker und ihn eingepflanzt.

10Du hast vor ihm Raum gemacht

und hast ihn lassen einwurzeln,

dass er das Land erfüllt hat.

11Berge sind mit seinem Schatten bedeckt

und mit seinen Reben die Zedern Gottes.

12Du hast seine Ranken ausgebreitet bis an das Meer

und seine Zweige bis an den Strom.

13Warum hast du denn seine Mauern zerbrochen,

dass jeder seine Früchte abreißt, der vorübergeht?

14Es haben ihn zerwühlt die wilden Säue,

und die Tiere des Feldes haben ihn abgeweidet.

15Gott Zebaoth, wende dich doch!

Schau vom Himmel und sieh,

nimm dich dieses Weinstocks an!

16Schütze doch, was deine Rechte gepflanzt hat,

den Sohn, den du dir großgezogen hast!

17Sie haben ihn mit Feuer verbrannt wie Kehricht;

vor dem Drohen deines Angesichts sollen sie umkommen.

18Deine Hand schütze den Mann deiner Rechten,

den Sohn, den du dir großgezogen hast.

19So wollen wir nicht von dir weichen.

Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen.

20Herr, Gott Zebaoth, tröste uns wieder;

lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen.